
Freitagnachmittag 16:00 Uhr. Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir in Hürth los. Dass wir Freitag haben merken wir anhand des Verkehrs überhaupt nicht. Wir haben mit viel Stau kalkuliert kommen aber sehr gut durch.
Die anhaltend hohen Spritpreise lassen uns sparsam fahren. 110-115km/h müssen jetzt reichen. Rund 8l im Schnitt werden wir auf der Hinreise bis Livorno brauchen.
Wir übernachten ca. 50km hinter dem Gotthardtunnel in einem Bergdorf abseits der Autobahn.
Wir könnten zwar durchfahren und die Morgenfähre noch erwischen, aber da die Wetteraussichten sowieso mehr als bescheiden sind, schlafen wir aus!
Der Morgen in dem kleinen Schweizer Bergdorf ist neblig und verregnet. In einer Bäckerei decken wir uns mit Brötchen ein und fahren weiter.
Gegen Mittag sind wir absolut rechtzeitig an der Fähre nach Korsika. Livorno ist ein Dreckloch! Es stinkt und man will nur noch schnell weg hier! Es hat kurz aufgehört zu regnen.

Die Fähre ist wesentlich kleiner als die Fähre, die wir in den letzten zwei Jahren nach Sardinien genommen haben. Wir haben unseren Cali als PKW auf der Fähre angemeldet. Die Anmeldung als Wohnmobil wäre viel teurer geworden. Lustig finde ich, dass die T3s, T4s und andere Transporter alle ihre Dachboxen und ähnliches auf dem Parkplatz der Fähre demontieren um diese dann auf der Fähre angekommen sofort wieder zu montieren. Wichtig ist eigentlich nur, dass man bei der Ausfahrt unter 2,2m hoch ist. Was danach kommt ist völlig wurscht! Das Autodeck ist nur dreispurig. Die Fähre hat vorne und hinten eine Zufahrt, so dass man nicht auf dem Schiff drehen muss.


Die Überfahrt ist grausam. In den Ruheräumen ist die Klimaanlage auf gefühlte 10°C eingestellt. Wir frieren. Auf Deck sind es 20C° aber es schüttet und der Wind bläst. Lisa geht es auch nicht so besonders. Das Schiff schaukelt und Tom wird leicht Seekrank. Wir müssen an Achim denken. Wir sind uns sicher: Er hätte die Überfahrt nicht ohne Kotztüte überstanden.

Um ca. 18:00 Uhr geht die Heckklappe vom Schiff auf und wir blicken direkt auf die wunderschöne Promenande in Bastia. Obwohl es schüttet wie aus Eimern empfinden wir die Hafenstadt als traumhaft schön. Die Palmenallee und der Blick auf und in die kleinen Gassen obwohl man eigentlich noch auf dem Wasser ist. Die wenigen PKW´s auf Deck fahren allesamt in die Richtung „Toutes le Directiones“ (oder so ähnlich). Wir aber fahren erst mal in die kleinen Gässchen von Bastia hinein. Es schüttet immer noch, aber die Korsen haben kurze Hemden und einige Mädels sogar Miniröcke an. Die Stimmung ist trotz des Wetters sehr gut.

Diese ersten Eindrücke der Insel sind sehr angenehm. Ich weiß nicht wie man es beschreiben soll. Es ist auf jeden Fall anders wie Sardinien. Die italienische Unordnung fehlt. Außerdem laufen die Korsen mit einem Dauergrinsen durch die Gegend. Die Sarden waren da mehr mürrisch.
Noch in Bastia suchen wir uns noch eine parkähnliche Anlage und gehen mit Schirm bewaffnet mit Lisa Pippi machen.
Anschließend noch eine halbe Stunde durch die Gassen von Bastia und dann ab Richtung Campingplatz. Den Platz haben wir auf der Fähre schon ausgesucht. Die GPS Koordinaten von ca. 30 Campingplätzen haben wir zu Hause schon notiert. Die Fahrt dahin ist also stressfrei.

Der Platz liegt direkt am Meer ca. 8km südlich von Bastia. Die sanitären Anlagen sind ok und die Versorgung mit morgendlichen Baguettes und Croissants ist gewährleistet.
Mütze auf den Cali und Markise raus! Wir essen nur noch ein Brot und gehen schlafen.
Die Nacht über gehr ein Unwetter über uns hinweg. Es donnert und blitzt, aber viel Wind geht nicht.
Am morgen scheint jedoch die Sonne. Gegen 6 Uhr gehe ich mit Lisa den Strand besichtigen. Lisa sieht zum ersten Mal das Meer. Den Strand findet sie genial. Sie dreht total am Rad und läuft sich die Lunge aus dem Hals. Salzwasser scheint ihr auch nix auszumachen. Sofort geht sie trotz kleinerer Wellen ins Mittelmeer.
Obwohl der Platz außer seiner Flugplatznähe zu Bastia einen guten Eindruck macht, hält uns an diesem Tag nichts dort. Wir wollen weiter.
Nun stellt sich die Frage. Wie herum um die Insel. Die meisten fahren im Uhrzeigersinn. Wir jedoch entscheiden uns für das Gegenteil. Also ab zum Cap Corse. Von Bastia aus fährt es sich sehr schön entlang einer malerisch gelegenen Küstenregion. Zum Baden ist es uns heute zu kalt. Wir fahren und Geniessen den Ausblick.

Gegen Mittag haben wir den nördlichsten Punkt der Reise erreicht. Hier gibt es auch einen schönen Stellplatz im Hafen. Einen Holländischen T5 mit Coloradoaufbau treffen wir dort. Er kommt von der Westküste und teilt uns mit, dass die Strassen katastrophal und sehr schmal sind! Er hat einen Durchschnitt von ca. 20km/h geschafft.

Ganz nach Norden kommen wir nicht. Wir müssen jetzt über einen ca. 300m hohem Pass zur Westküste wechseln um dann dort wieder die südliche Richtung einzuschlagen. Dafür, dass die Passstraße eine Hauptstrasse ist, könnte sie ein wenig breiter sein. Aber das was wir hier noch als schmal empfinden wird uns in Zukunft noch mal luxuriös und äusserst breit vorkommen.
Wieder am Meer angekommen können wir den berühmten „Nebbia“ (Nebel) in den Bergen bewundern. Er schlängelt sich um die Bergspitzen des Cap Corse und sieht wirklich schön aus. Weiter Richtung Süden wird die Strasse immer enger. Entgegenkommende Autos veranlassen uns des Öfteren zu einer Vollbremsung. Aber mit ein bisschen gutem Willen klappt es. Klappen ist gut! Wir sind froh die motorisch anklappbaren Spiegel bei unserem Cali bestellt zu haben. Der Knopf zum Anklappen wurde so oft noch nie benutzt wie in diesen Tagen.

Die Küste wird jetzt zur Steilküste. Von weitem sieht die Küstenstrasse aus, als hätte jemand einen Kratzer in die Steilküste gekratzt. Es wird immer schmäler bis uns letztendlich die Strasse an die Fahrradwege an der Mosel erinnert. Tatsächlich ist sie hier nur noch 3m Breit aber immer noch mit einer gestrichelten Mittellinie versehen! So alle zwei drei Kilometer gibt’s gibt es rechts oder links nur noch Ausbuchtungen, damit man sich hierhin verziehen kann, wenn entgegenkommende Fahrzeuge in der Ferne erkennbar sind. Der absolute Hammer ist, dass die Korsen ohne Licht fahren! Nirgends auf der Welt wäre ein Tagfahrlicht so nützlich wie hier!

Aber vielleicht sind diese Strassen auch nur für Motorräder und Fahrräder zugelassen. Es gibt auf jeden Fall mehr Touristen mit Motorrädern und Rennrädern wie normale PKW´s. Ein großes Wohnmobil wäre hier an dieser Stelle schon sehr waghalsig! Aber der Holländer war auch ersichtig fix und fertig. Jetzt weiss ich warum!
Am frühen Nachmittag erreichen wir einen sehr schön gelegenen Platz. Wir können auch hier wieder direkt am Meer stehen. Lisa hat nur halb so viel Spaß, denn der Strand ist kieselig und hier kann sie nicht so dolle Rennen!
Im Gegenzug erweist sich der Rasenplatz mit Kiesstrand doch als Vorteilhaft. Auf dem Sandplatz vom Vortag erwies sich Lisa doch als gute Transportmöglichkeit für Sand, der sich in allen Ritzen und auch in den Betten wiederfinden konnte.
Gegen 18:00 Uhr fallen die Touristen mit Zelten, kleinen Wohnmobilen, Motorrädern und Fahrrädern auf den Campingplatz ein. Erst dachten wir, wir sind alleine auf dem Platz. Aber gegen Abend haben wir rechts und links Nachbarn.
Die Motorradclübchen fahren fast allesamt das gleiche Modell an Motorrad. Eine 1200 GS! BMW muss sich hier einen Wolf freuen. Die älteren 850iger, 1100er findet man hier nicht! Ab und zu eine 1150iger!

Den Abend genießen wir bei einem traumhaften Sonnenuntergang direkt am Meer.
Der morgen beginnt bewölkt. Wir fahren weiter nach St. Florent. Ein kleines Tourifischerdorf im Stile von St. Tropez. Hier liegen große Jachten und in den Geschäften zeigen die Preise deutliche Zeichen. Schnell weg hier!
Wir fahren die Küstenstraße weiter in Richtung Calvi. Wir wollen zu einem Strand bei Saleccia. Der Strand soll laut unserem Wohnmobilführer sehr schön sein. Der dort liegende Campingplatz von seiner Lage her einmalig. Wir haben aber keine Koordinaten von dem Platz. Die von der Hauptstrasse abführenden Wege in Richtung „Plage Saleccia“ sind allesamt unpassierbar. Motorradfahrer berichten uns, dass es durch den Regen der vergangenen Tage selbst mit einer GS fast unmöglich ist nach Plage Saleccia zu kommen. Mit unserem T5 sollen wir das doch ganz schnell vergessen.
Wir fahren also weiter in Richtung Calvi. Bis Calvi ist die Strasse sehr schön breit und zwischendurch auch schon mal mit 100km/h zu befahren. Die Strasse ist sogar für Transporter mit zwei Anhängern geeignet!!!

An einem Supermarkt decken wir uns mit Lebensmitteln ein.
In Calvi dann wird die Strasse wieder schmal. Zwar keine 3m, aber mehr wie 4m breite gönnt man uns nicht. Was aber noch viel schlimmer ist, sind die senkrecht aufgestellten kleinen spitzen Steine am Fahrbahnrand. Die Spitzen Steine sind nur an den Stellen, an dem die Steilküste auch direkt steil abfällt! Das muss man erlebt haben, sonst glaubt es uns niemand!

Die ersten Kilometer macht es Spaß und es ist spannend. Nach fünf Minuten denkt man aber schon, dass es jetzt gut ist. Wenn man schnell ist fährt man mit 30km/h gut bedient. Jetzt geht auch noch der Regen wieder los. Es tröpfelt es. Dann schüttet es.
Von Calvi bis Galeria sind es 35km. Wir müssen noch 30km fahren. Für die nächsten 30km/h benötigen wir fürchterliche 2 Stunden. Es schüttet wie aus Eimern. Von links droht Steinschlag. Die Strasse ist übersät mit Steinbrocken. Rechts ist steil abfallend das Meer! In den Kurven gibt es kleine Mauern, die den Absturz verhindern sollen. Auf den Geraden gibt es nur die kleinen Spitzen Steine.
Mag sein, dass die Gegend traumhaft schön ist. Vielleicht ist es bei Sonnenschein auch eine schön zu fahrende Strecke. Aber im Moment ist es für den Fahrer der reine Horror! Sandy meint noch, dass sie jetzt weiß warum ich gegen den Uhrzeigersinn fahren wollte. Der Beifahrerseite muss schwindelerregend sein! Auf den 30km kommen uns zum Glück nur zwei Autos entgegen!
In Galeria angekommen bin ich fix und fertig! Ich überlege ins Landesinnere zu fahren, denn der Wohnmobilführer beschreibt die weitere Strecke nach Porto mit dem gefährlichsten was Korsikas Strassen zu bieten hat.
Komisch ist nur, dass von Richtung Porto aus viel mehr Autos kommen und die Fahrer auch relativ stressfrei aussehen. Ja sogar Omnibusse sind dabei.
Also fahren wir weiter nach Porto und die Strasse ist wirklich um Welten besser. Der Wohnmobilführer ist wohl völlig für den A*sch! Anscheinend hat der Autor hier wohl die Strecke Calvi – Galeria mit der von Galeria nach Porto verwechselt!
In Porto fahren wir auf einen Campingplatz. Der Platz ist völlig matschig und es schüttet immer noch wie aus Eimern! Wir fahren alles auf, was wir an Regenschutz mithaben. Markise samt Seitenteilen und Frontschutz.

Jetzt fließt das Wasser wenigstens nur noch unter uns durch! Von oben ist es Trocken. Wir machen eine Flasche Wein auf und grillen sogar! Da es Windstill ist, können wir trotz Regens und wegen des guten Regenschutzes draußen essen.
Es regnet die ganze verdammt Nacht weiter! Am nächsten morgen überlegen wir kurz was wir machen. Wir beschließen einen etwas komfortableren Platz zu finden. Vielleicht einen mit Platz der nicht wie ein Fluss durchflutet wird.
Die Fahrt von Porto Richtung Süden ist toll. Eng, aber gut gesichert! Die zerklüftete Bergwelt im Regen und mit Nebelschwaden lässt einen in die Filmkulisse von Herr der Ringe versinken. Im iPod wühle ich nach „Lord of the Rings“ und stelle fest, dass wir alle drei Alben dabei haben. Mit dieser Musik im Hintergrund ist es als ob Gollum neben einem in den Felswänden herum klettert.

Leider wird die tolle Stimmung abrupt von einem kleinen Stau unterbrochen. Zwei Omnibusse treffen sich auf der Strasse. Das geht ja gar nicht! Rund 400m muss ein Omnibus im Rückwärtsgang zurückfahren und in einer Parkbucht erst mal ausweichen. Hier begreife ich dann auch, dass diese kleinen Parkbuchten gar keine Parkbuchten, sondern Ausweichbuchten sind, in denen der typische deutsche Touri gar nicht halten sollte!
Ich bekenne mich schuldig! Auch ich habe in diese Ausweichbuchten missbraucht.
Ca. 30km weiter Richtung Süden haben wir Glück, dass sich die Kühe an die Strassenverkehrsordnung halten und auf der richtigen Straßenseite laufen.

Zudem finden wir hier einen tollen Campingplatz. Schöne Duschen, schöner Wiesenplatz mit erhobenen Betonstellplätzen. Wir beschließen hier zu bleiben bis alles wieder trocken ist.

Abends geht ein heftiger Wind. Die Nachbarn warnen uns vor einem heran nahenden Sturm. Wir sichern Markise und Regenplanen wie die Weltmeister. Der Sturm bleibt aber aus! Am nächsten Morgen scheint die Sonne!
Heute hatten wir also unseren ersten Strandtag! Wir hatten alle unseren Spaß. Das Meer tobt aber wie verrückt. Lisa hat jetzt doch Respekt vor den Wellen und badet lieber in einer kristallklaren Flussmündung.

Nach dem ersten Dauerregen hatten wir in Korsika zwei schöne Strandtage. Dann hat der Wetterbericht jedoch wieder 6 Tage Dauerregen gemeldet. Kurzer Hand sind wir dann auf direktem Wege nach Bonifazio und haben nach Sardinien übergesetzt. Im Süden von Sardinien war deutlich besseres Wetter angekündigt.

Korsika ist wunderschön. Und mit Sicherheit werden wir in den nächsten Jahren wieder versuchen dort ein paar Wochen besseres Wetter zu erhaschen. Keinesfalls werden wir aufgrund des diesjährigen Regenwetters die Insel in schlechter Erinnerung halten. Dafür waren die Eindrücke und vor allem die freundlichen Menschen zu toll.
Aber Sardinien hat auch bei mir bleibende Eindrücke hinterlassen. Was ich auf Korsika vermisst habe sind die typischen kulinarischen Genüsse. Vielleicht tun wir den Korsen unrecht. Wahrscheinlich kennen wir uns einfach noch nicht so gut mit den einheimischen Spezialitäten aus. Aber der einheimischen Schinken oder aber auch die Wildschweinwürste haben uns nicht vom Hocker gehauen.
Eine leckere Pizza aber vor allem sardische Prosciutto crudo, Pecorino stagionata und die leckere Salsiccia (Salami) haben wir auf Sardinien wieder genossen.
Einen besonders leckeren und preiswerten Käse gibt es auf dem Weg Richtung Süden mitten im Nationalpark. Auf Rund 1000m Meereshöhe steht direkt an der N125 eine kleinere Käserei die so allerlei anbietet. Tipp: scharfen Schafsstreichkäse (Ricotta di Pecora picante) und der mittelalte Mischkäse von Schaf und Ziege. (Formaggio di Pecora e Capra semistagionato)
Durch die Serpentinenfahrerei in Korsika und auch der Weg zur Käserei in Sardinien hat aber wahrscheinlich bei unseren Bremsen bleibende Eindrücke hinterlassen. Zwischendurch meldete noch meine Bremse im Kombiinstrument und meinte, dass die Beläge erneuert werden mussten. Ich habe erst mit mir gehadert, ob ich einfach noch die 1500km bis Deutschland fahren sollte. Aber die freundliche VW Werkstatt in Cagligari hat das im Nachhinein sehr gut hinbekommen. Die Beläge waren vorrätig und der Service perfekt. Wer eine Sardinientour plant, dem könnte ich die Handynummer des nach Sardinien ausgewanderten deutschen Mechanikers in Sestu bei Cagligari geben. Ich denke 260 Euro plus Steuer und 1,5 Stunden Wartezeit ohne Anmeldung waren für die vorderen und hinteren Beläge incl. Arbeit auch wesentlich günstiger und servicefreundlicher wie in Deutschland.
Das Auto war auf jeden Fall wieder fit! Auf zum Campingplatz!
Vom letzten Jahr her hatten wir uns an einen Traumplatz an der Costa Rei auf Sardinien erinnert. Wir sind also auf direktem Wege dort hin. Am Campingplatz angekommen dachte ich, dass mich der Schlag trifft! AUSGEBUCHT!!!
In Bayern waren ja noch Pfingstferien. Die Campingplatzbetreiber hatten aber noch ein Übernachtungsplätzchen für uns. Dieses Plätzchen hatte in meinen Augen jedoch einen großen Nachteil. Direkt neben uns stand ein langhaariger Reinhard Mey Verschnitt, der zum Abend hin den ganzen Campingplatz zum allabendlichen Gitarrenkonzert einlud. Sandy fand das ja ganz nett. Ich aber war froh, dass der Hobbygitarrist nach 3 Stunden Lagerfeuer- und Liebeslieder wie „Country Roads“ oder „Über den Wolken“ am nächsten Morgen dann zu der großen Gruppe der Abreisenden gehörte und wir dann unseren Traumplatz mit Fototapetenblick bekommen haben.

Normal sind wir keine Typen, die länger wie 4 Tage auf einem Platz stehen bleiben. Aber diesmal kam es anders!
Eine holländische Nachbarin fand drei kleine, höchstens 5 Tage alte Welpen in einem Jutesack baumelnd beim Wandern. Wie ich dann so bin habe ich meinen Mund wieder mal wieder nicht halten können und versprochen, dass ich die drei Welpen in zwei Wochen nach Deutschland importiere, wenn sich die Holländerin bis dahin um die Aufzucht der Tiere kümmert.

Wir haben also erst mal Welpenmilch gekauft. In Zusammenarbeit http://www.gandhi-tierschutz.de/ einen Tierarztbesuch organisiert und eine Aufzuchtstelle in Deutschland gesucht.
Die Füttern und vor allem das „Kackeputzen“ hat ja zum Glück größtenteils die holländische Finderin gemacht. Unser Job war es die Tiere nach Deutschland zu bringen. Die Zeit bis dahin konnten wir also relaxen und den Fototapetenausblick von unserem Cali aus geniessen.
Unsere Stellplatznachbarn waren rechts und links auch sehr nett. Auf einer Seite stand eine junge Familie mit dreijähriger Tochter mit großem Wohnmobil fest für zwei Wochen. Die kleine Lea hat erstaunlicher Weise vor nichts Angst was klein und krabbelig ist. Große Nashorn oder Hirschkäfer schleppte sie in zehnfacher Ausführung an und präsentierte sie jedem stolz. Auf der ca. 500m entfernten vorgelagerten Insel fanden sich zudem noch hunderte von Taschenkrebsen und sonstigem Getier, welches täglich gefangen, aber 24h später wieder an gleicher Stelle freigelassen wurde. Die Kassiererin vom kleinen Supermarkt auf dem Campingplatz meidete die kleine Lea zwischenzeitlich, da sie beim Einkaufen dort auch stolz einen 5cm großen Hirschkäfer auf das Fließband der Kasse legte.

Im Restaurant hingegen hatte die Kellnerin Verständnis dafür, dass klein Lea unsere gepulten Langusten in einer kleinen Wasserschüssel, wieder zum Leben erwecken wollte, die eigentlich gemeinsam mit Zitronensaft zum Händewaschen gedacht war.
Auf der anderen Seite Stand zu Anfang Solocamper Ralf mit 7m Wohnmobil. Das Wohnmobil hatte aber Deutschland schon einige Zeit nicht mehr gesehen. Für Sardinienfans eine echte Alternative. Wohnmobil einfach dort lassen und per Billigflug mehrmals im Jahr dorthin.
Ralf ist ein Weinkenner der sich auf die Weine der Insel spezialisiert hat. Mit Ralf haben wir den ein oder anderen Tropfen verköstigt und seine Weintipps waren sehr interessant. Der rote 2004er Sant Elmo, ein Mix aus Carignano und Cannonau hat es mir besonders angetan. Gekauft haben wir ihn bei der Cantina Sociale Castiadas . Die Cantina ist in Olia Speciosa, direkt an der neuen Schnellstrasse.
Der für unsere Verhältnisse lange Aufenthalt auf einer Stelle hat also auch so viel Freude gemacht und war alles andere als langweilig. Der Campingplatz ist trotz seiner Nähe zu dem Touridorf Costa Rei in der Vorsaison noch mehr wie erträglich.

Für die Rückreise von der Insel haben wir dann jedem Camper auf dem Platz ein altes Handtuch abgeschwatzt, damit wir genügend Wechselwäsche für unsere drei „Scheisserchen“ bereit hatten. Ich hatte vor von Olbia mit der Fähre per „Camping on Board“ nach Piombino zu fahren. Da die Fähre jedoch nicht genügend ausgebucht war, wurde sie gestrichen. Wir mussten die Fähre nach Genua nehmen.
Camping on Board war dort nicht möglich. Kabinen kann man mit einem Hund nicht mieten. Also mussten wir die Nacht mit den drei „Scheisserchen“ und unserer Lisa im Sonnenstuhl verbringen. Alle zwei bis drei Stunden kamen die Scheisserchen um nach der Flasche zu verlangen und die Box zu säubern…! Ein Dank an die Handtuchspender!
Es war der reine Horrortrip!
In Genua angekommen konnten wir auch nicht groß Pause machen. Wir hatten ja für nachmittags einen Termin mit dem Gandhi Tierschutz vereinbart um die Welpen in die Obhut einer Pflegefamilie zu geben.
Die Übergabe fand in Ulm statt. Ich wollte über den San Bernadino fahren. Der Tunnel und auch die Passtrasse waren jedoch gesperrt! Also auch noch Umweg über den Gotthardpass.
Um 15:45 Uhr kamen wir dann dank Red Bull in Ulm an. Die 3 kleinen „Scheisserchen“ sind dort von einer Tierpflegerin übernommen worden.
Die restlichen 500km nach Hause waren ein Klacks!
Unser Cali hat perfekt funktioniert! Für verschlissene Bremsen kann er nix! Lediglich meine Hupe funktioniert jetzt nicht mehr so dolle. Ich muss ganz feste aufs Lenkrad drücken, damit sie überhaupt noch hupt. Gespannt was die Gewährleistungsverlängerung da für eine Ausrede findet!
Es war wieder einmal ein gelungener Urlaub! Und die drei kleinen „Scheisserchen“ bekommen jetzt eine echte Chance!
Ein paar mehr Bilder von der Reise weiter unten.
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