Andalusien im Winter
Hallo Cali-Fangemeinde,
ging leider nicht früher, trotzdem will ich natürlich noch wenigstens einen Kurzbericht über die 7 Wochen in Andalusien abliefern.
Durch Zufall wurde uns ab dem 08.11. eine günstige Wohnung in Fuengirola (liegt zw. Malaga und Marbella) angeboten und da wir noch Besuch aus Deutschland erwarteten und unser Cali zudem mit Hundebox und Hundefutter „überladen“ war, stellte sich für uns die Frage nach einem Campingurlaub erst gar nicht. Geplant war allerdings, dass uns der Cali nach Auslagern des Gepäcks bei mehrtägigen Touren schon als Domizil dienen sollte.
Für die Anfahrt waren 4 Tage angesetzt – an der Costa Blanca wollten wir uns noch eine Behausung für den März d.J. sowie einige Yachtclubs ansehen. Trotzdem wir nun schon Jahrzehnte in Spanien unterwegs waren, bis Andalusien hatten wir es noch nie geschafft – war mit Hänger und Boot für die normalen Arbeitnehmer-Urlaubswochen einfach zu weit.
Nach einigen Rückfragen im Bekanntenkreis wurde uns die Strecke über Paris- Madrid mehr oder weniger als trostlos geschildert , sodass wir uns zunächst für die Autobahn A7 entschlossen und uns im Süden dann weiter entscheiden wollten-die Gebirgsautobahn A92 hatten wir uns allerdings schon als mögliche Alternative zur Küstenstrecke rausgesucht (komischerweise hatten wir von dieser Autobahn zuvor weder etwas gehört noch gelesen).Tatsächlich fuhren wir dann in der Nähe Almeria von der A7/E 15 auf die A92N und waren angenehm überrascht. Nicht nur, dass wir ab Alicante bis zum Reiseziel Fuengirola keine Autobahngebühr mehr zahlten, uns erwarteten bis Granada eine sehr gute Fahrbahndecke, auffallend wenig Verkehr sowie wunderbare Gebirgslandschaften mit Olivenplantagen. Für uns „mal ganz was anderes“, zumal wir die letzten 2 Jahre mit Unterbrechungen an der Costa Brava direkt auf dem Wasser verbracht hatten. Leider spielte das Wetter zunächst nicht mit, ab Valencia hatten wir praktisch bis Granada mit schweren Regenfällen zu kämpfen und von „warm“ konnte auch nicht die Rede sein, was natürlich auch an der Höhe lag.
Ab Granada geht die A92 dann in die Alternativen N359, N331 sowie A 45 über.
Insgesamt hatten wir von Köln aus über Luxemburg, Lyon bis Fuengirola knappe 2.500 km zu fahren, die Alternativstrecke Paris/Madrid wäre auch nur unwesentlich kürzer gewesen.
Noch am 8.11. rannte ich in Fuengirola bei ca. 15 Grad ala „Flodders“ in Gummistiefeln rum aber schon am nächsten Tag stabilisierte sich das Wetter und der oft gepriesene andalusische Winter bescherte uns in der ganzen Zeit zwischen mind. 19 und max. 24 Grad im Schatten. Und hier bin ich gleich beim wichtigsten überhaupt:
Was unterscheidet Andalusien im Winter vom restlichen südlichen Europa?
Bei möglicherweise gleichen Temp. im Schatten tritt man hier einige Schritte nach links oder rechts und erlebt sein „blaues Wunder“. In der Sonne bei Windstille entstehen dann Temp. bis fast 40 Grad, ich habe selbst mehrfach mit guten Thermometern nachgemessen und fand es einfach unglaublich.
Wer hier im Winter Urlaub macht, mit der Heimat telefoniert und dann hört:“ Bei uns sind aber auch 19 Grad“ (wie z.B. in Köln) sollte entweder den Hörer auflegen oder eine längere Erklärung abgeben, denn diese krassen Unterschiede sind schwer zu vermitteln. Trotzdem sind die Häuser natürlich ausgekühlt, es muss geheizt werden,
Pullover sind empfehlenswert. In den Sierra`s gehen die Uhren natürlich ganz anders, man fährt morgens bei vielleicht 13 Grad los und kommt dann eine Stunde später ganz schnell an die Nullgrenze bis in die Minustemperaturen- von daher sind Winterreifen unerlässlich.
Das gibt’s natürlich bei uns auch – nur wenn ich dann nachmittags zurückkomme, sitze ich immer noch bei 30 Grad in der Sonne, schaue „wichtig“ in der Gegend rum und schlürfe meinen Espresso. Zigmal haben wir in den grossen Yachthäfen rumgesessen und ich rieb mir immer wieder die Augen. Hier ist im Dezember Wassersport angesagt, man fährt Boot, Wasserski und tut so, als ob man den Begriff Frostschutz noch nie gehört hätte. An Einwintern und so`n Quatsch denkt hier wirklich kein Mensch – auf den Balearen sieht das beispielsweise ganz anders aus. Mit Wassertemperaturen um die 19 Grad ist Schwimmen natürlich nur für die ganz knallharten angesagt.
Meine Empfehlung: Wer nicht feriengebunden und nicht gerade ein Fan der absoluten Hitze ist, sollte tatsächlich in Erwägung ziehen, alles umzuschmeißen und den Herbst oder Winter als Urlaubszeit zu wählen. So ganz nebenbei ist natürlich auch alles preiswerter, wie die Autobahngebühren, Speisen/Getränke in Restaurantes, Mieten für Roller, Bikeräder usw usw.
Am Tag 1 nach dem Ankommen ging es dann von unserer sehr hoch gelegenen Wohnanlage mit dem Cali ins Dorf und mitten durch einen 18+18er Golfplatz mit ca. 50 Betonschwellern pro Fahrt (siehe neue VZ). Ja und hier sowie auf vielen vielen anderen Plätzen gab sich dann bevorzugt die ältere Generation, vorwiegend Engländer, dem Golfsport hin – man könnte auch sagen:“ Alles fest in englischer Hand“. Es gibt wohl mehr Golf- als Spielplätze für Kinder, der helle Wahnsinn für Golfbegeistere. Ja und wo kommt das Wasser her – alles saftgrün – natürlich aus der Erde. Später, an den Stauseen-Gebieten von Ardales erfuhr ich dann doch einiges. Was uns hier verkauft wird „Dort regnet es kaum, wieder kein Wasser“ – m.M. nach alles „Presseenten“ für die heimischen Nachrichten. Tatsächlich haben die Golfplätze immer Vorrang, es gibt Landenteignungen ohne Ende, in Marbella sitzt der gesamte Stadtrat seit Monaten wegen Immo-Spekulationen im Knast – herrlich, was da abgeht.
Ja, das Land und die Menschen. Nach 2 Jahren in „Catalan“ und öfters auf Mallorca, früher auch Costa Blanca: Irgendwie hatte ich den Eindruck, im richtigen Spanien angekommen zu sein, überall sieht man noch die grossen Plakate mit den „el toro`s“ was mich an die „alten Zeiten“ vor 30 Jahren erinnerte. Die „Gegend“ ist einfach sagenhaft. Vom Meer in die Berge in ca. 30 Minuten, besonders angetan hatte uns die Landschaft um die Stauseen im Naturpark von Ardales sowie die kleineren Sierra`s, besonders die Sierra de las Nieves - einfach herrlich. Das Straßennetz fand ich okay, natürlich das „el dorado“ für den schmalen Cali, grössere Fahrzeuge dürften hier und da, besonders auf den Nebenstrecken, Probleme bekommen. Von daher gebe ich jetzt, bis auf eine Ausnahme, auch keine besonderen Strecken-Empfehlungen, zumal wir ja meistens eintägige Rundfahrten, manchmal auch ziellos, gemacht haben und immer wieder zum Ausgangspunkt Fuengirola zurückgekehrt sind.
Wer nicht so viel Zeit hat, aus Richtung Küstenstrasse kommt und nach Ronda will,
sollte von Marbella aus die sehr gut ausgebaute N 376 mit wunderschöner Landschaft bis Ronda fahren. Fährt man von Ronda aus dann durch die Sierra de las Nieves über Coin wieder in Richtung Malaga, hat man sowohl die Bergwelt mit ihren teils sehr engen Strassen (alle asphaltiert) als auch das wunderbare Hinterland sozusagen „im Schnelldurchgang“ erlebt –s.auch Kartenausschnitt hierzu-.
Krönung des ganzen ist natürlich die Sierra Nevada, hier haben wir kurz mal reingeschaut und festgestellt: Wir kommen wieder und „treiben uns mal einige Wochen gezielt rum“-die offizielle Wintersportsaison begann hier am 16.12.
Schneeketten für morgens und ggfls. Badehose für nachmittags sollte man schon dabeihaben-.
Zurück zu den Stauseen im Naturpark von Ardales: Eine beeindruckende Landschaft, hier wird biken, Paragliding, wandern und alles, was mit Natur zu tun hat, grossgeschrieben.
Die geschichtsträchtigen Städte wie Ronda, Cadiz, Gibraltar usw. haben wir natürlich auch besucht – selbstverständlich auch die Alhambra in Granada. Interessant ist, dass man überall organisierte Reisen, auch zur Alhambra, preiswert buchen kann. Die Reisebusse sind okay, der Stress mit An- und Abfahrt im Berufsverkehr, Parkplatzsuche, Eintrittskarten usw. entfällt dann komplett. Normalerweise „hasse“ ich organisierte Reisen mit Reiseleiter, hier habe ich mich aber belehren lassen und war tatsächlich mehr als zufrieden.
Gleiches gilt auch für Gibraltar, da man ja i.d.R. sowieso Reiseführer benötigt bzw. vor Ort bucht, sollte man die 11 Euro p.P. (Beispiel: ab/zurück Fuengirola) als Komplettreise für den ganzen Tag investieren. Die Fahrt zum Affenfelsen ist durch ein Einbahnstraßen-System geregelt, Außenspiegel sieht man hier ansonsten seltener als anderswo. Mit den Äffchen ist das auch so eine Sache. Die sind teilweise saufrech und können auch schon mal einen Lackkratzer hinterlassen – anfassen darf man sie sowieso nicht, die Biester beißen auch. Stellplätze sind an der ganzen Küste eher rar, man steht wo man steht, kein Mensch kümmert sich drum. Erwähnen möchte ich einen wunderschönen Stellplatz direkt im Yachthafen von Benalmadena (Geodaten: 36° 35,74 N – 4° 30,80 W ) Wir waren zigmal da, anfangs zahlten wir 1 Euro für 24 Std. später kam keine Hostess mehr und wir standen „umesönst“. Selbst Wohnmobile aus Finnland übernachteten hier- Strand liegt ca. 1oo Meter entfernt – Versorgung gibt`s allerdings nicht. Shopping in Benalmadena sowie im nahegelegenen Torremolinos wird die Damen begeistern.
Jeder schreibt, wo er war.
Ich mal, wo ich nicht hinwollte: In die Innenstädte von Malaga und Marbella – Stinkluft und Berufsverkehr wie hier – nachts der Discokram – nichts für uns.
Es war wirklich wunderschön in Andalusien, natürlich waren wir nicht zum letzten Mal dort, auch wenn`s für die „arbeitende Bevölkerung „blöde klingt: Die 7 Wochen waren zu kurz.
Was wir noch alles erlebt haben:
Wir haben den amtierenden Weltmeister im „Nachhause-Durch-Fahren mit 2 Bypässen“ kennengelernt. Natürlich Hauseigentümer, 68 Jahre alt, fährt die ganze Strecke bis zum Bodensee mit Golf V einfach durch. Unterwegs lediglich kleine Nickerchen im Auto, für Hotels keine Kohle.
Den ältesten Golfspieler der Welt habe ich wohl auch gesehen. Schätze ihn auf ca. 100 Jahre, mit Rolls, hielt sich am Golfschläger fest – herrlich.
Ja und unsere schöne Tiefgarage unter der Wohnanlage mit Platz für ca. 100 Autos – alles in steilster Hanglage. Hatte ich den Eigentümer gebeten, doch mal die Einfahrthöhe und Höhe seines Stellplatzes zu messen, hieß es : Für VW Bus nicht hoch genug, aber keine Maße angegeben. Ja, wir kamen an, ich sehe das Tor, schätze auf mind. 2 Meter, habe aber keine Fernbedienung.
Was war passiert: Anstatt zu messen, hatte der Hausmeister seinen alten VW Bus mit Westfalia-Dach und darauf noch Gepäckträger zum Messen mitgebracht – passte natürlich nicht, Erklärungen mit dem Hubdach verstand keiner. Tatsächlich waren es dann 2,35 Meter Einfahrthöhe, der Stellplatz selbst allerdings ließ nur noch 5 Zentimeter Luft.
Der Cali lief bis auf 2 Vorfälle sauber und einwandfrei. Zweimal in den Bergen in Stellung „D“ verschluckte er sich ala „Bonanza-Effekt“ beim Hochbeschleunigen –
Kurz vor der Abreise an der rechten B-Säule ein ständiges Knarzen und Knacken, ganz stark beim Überfahren der Betonschwellen und niedrigen Geschwindigkeiten.
Das erinnerte mich dann an die alten Berichte über Knarzen, Knacken und Wandeln der älteren Modelljahre – ehrlich gesagt, ich ging davon aus: Jetzt hat`s auch meinen erwischt. Alles nachgeschaut, Beifahrertür, Schiebetür, Verdacht fiel auch auf die Gurtschlösser, half alles nix. Das besonders teuflische: Unterschiedlich laut bei Wärme und Kälte – das sprach eher für „kalte Lötstellen“ und Verwinden.
Auf der Rückfahrt kaum noch zu hören, dann wieder auf der schönen Panzerautobahn A 48 in der Eifel, fürchterlich nervend. Zuhause angekommen, erst mal in die alten Wandelberichte reingeschaut, schlau gemacht, was es kostet usw. usw.
Ja und dann Termin im kleinen Autohaus Schwab, Neuss: Nur 2 Calis in der Pflege!
Ich hole das Auto ab. Mein Freundlicher bedröppeltes Gesicht: „Den Fehler mit der Ruckelei leider nicht gefunden, läuft einwandfrei“. Und was ist mit dem Knacken? „Ach so, wir haben einfach alle Schlösser der Schiebetür gewechselt, müsste weg sein „ Es stimmt, es war weg. Darauf habe ich mir Zuhause einige Flaschen Kölsch genehmigt, die hatte ich mir wirklich verdient. „Nie mehr fasst eine andere Firma mein Auto an,es sei denn, ich bin im Ausland oder bleibe liegen“.
Noch zum Wetter in Andalusien: Geregnet hat es auch mehrfach , d.h. geschüttet,
meistens vorschriftsmässig nachts – morgens dann wieder Sonne.
Gefahren sind wir insgesamt gut 6.500 Kilometer, Verbrauch zwischen 9 und 10 Liter, zeitweise in den Bergen auch bis 11 Liter. Ansonsten keinerlei Defekte oder Ausfälle-
Kühlschrank immer an, Klimaanlage und Standheizung ständig wechselnd.
Karten: Mit Ausnahme der Sierra Nevada – hier schließe ich mich Krasseknar an, Spezialkarten (Michelin) sehr empfehlenswert – reicht einfaches Kartenmaterial aus.
Wir haben uns vor Ort noch die Karte „Costa Del Sol“ (Editorial arguval 1: 390.000) für € 3,90 (in jedem grösseren Supermarkt greifbar) gekauft und sind zusammen mit dem ADAC Tour-Set, gut damit klargekommen. Letzteres gilt auch für die Navi-CD Spanien, die uns abgesehen von Nebenstrecken, immer gute Dienste geleistet hat.
Stellplatzführer:
Das vor kurzem erschienene Handbuch „ Wohnmobil-Stellplätze“ von Dr. Dieter Semmler, Band 19 im RID-Verlag, halte ich für sehr gut und vor allem aktuell. Abgedeckt ist die gesamte spanische Mittelmeerküste zwischen Costa Brava und Costa de la Luz im Süden.
Internetanschluß:
Da in unserer Wohnung der Telefonanschluß beantragt aber noch nicht verlegt war,
mussten wir uns selber helfen. So bin ich als „Wifi Pirat“ einmal probeweise mit dem Laptop durch Fuengirola gefahren und schwups vor unserem Einkaufsmarkt (Euromarket) hatte ich eine Top-W-Lan-Verbindung. Auch vor grösseren Hotels wäre eine brauchbare Verbindung möglich gewesen. Ein Hinweis: Das Einloggen an sich ist nach deutschem Recht nicht strafbar-über das spanische Recht habe ich mich gar nicht erst schlau gemacht – interessiert dort niemand, sofern man nichts illegales macht. Auffallend: Es gibt viele ungesicherte Netzwerke!
In 14 Tagen geht`s endlich wieder los. 4 Wochen nach Denia an die Costa Blanca, ich glaube, mein Freund (jetzt wieder), der Schwarze, freut sich schon drauf.
Wie sagte mein Freundlicher bei der Abholung vorige Woche:“ In schwarz gefällt er mir doch am besten – in diesem graumetallic (Hallo Novesian) ist er allerdings auch sehr schön. Hätte ich fast vergessen, hab mir auch noch einen PDF einbauen lassen, Plakette ob gelb oder grün ist mir egal, (da wo ich hinfahre, sind Aufkleber von der Polizeigewerkschaft wichtiger), halte das Auto ohne PDF für fast unverkäuflich.
Viel Spass beim Anschauen der nicht immer ganz gelungenen Fotos
wünschen
JOker und Crew
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